Brandeinsatz ehemaliger Lokschuppen (Werkstraße Plattling)
Allgemeine Lage
| Tag | Montag, 02.06.2008 |
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Uhrzeit |
20.10 Uhr |
| Wetterlage |
ca 28 Grad, Schwül Leichter Süd-Wind |
| Anfahrtsweg | gesichert, 5 Minuten |
| Brandobjekt |
Beim Brandobjekt handelte es sich um einen ehemaligen Lokschuppen. Die Außenmauern des halbkreisförmigen Gebäudes waren aus Vollziegelmauern. Die Bedachung bildete eine Holzkonstruktion mit Bitumenabdichtung. Der Schuppen bot Platz für 25 Lokomotiven und wurde Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut und in den Folgejahren immer wieder erweitert. Der Gebäudekomplex wurde nur durch drei Wände abgeteilt und bildete somit nur einen Brandabschnitt mit einer Größe von ca. 4300 m2.
Die Örtlichkeiten waren der FFW-Plattling bekannt. Nicht bekannt war die Lagerung von ca. 1000 Tonnen Rollenpapier und ca. 6000 Paletten Holzbriketts. |
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Wasserversorgung |
Bis ca. 1985 war das Gelände Hoheitsgebiet der Deutschen Bundesbahn mit eigener Bahnfeuerwehr und leistungsfähiger eigener Wasserversorgung über Hydrantenleitungen und Tiefbrunnen. Nach dem Rückzug der Bahn aus Plattling wurden alle betriebseigenen Wasserleitungen still gelegt und die Tiefbrunnen verfüllt. Der Brandschutz der nun leer stehenden Gebäude ging auf die Stadt Plattling über.
Die Stadt Plattling verfügt über eine eigenständige Wasserversorgung. Das Trinkwasser wird in den Stadtwerken aufbereitet und zur Druckerhöhung in einen 45 Meter hohen Wasserturm gepumpt. 2 Kammern mit je 400 m3 Fassungsvermögen halten den Wasserdruck im Rohrleitungssystem konstant auf 4,5 bar. |
Am Brandtag wurde die Freiwillige Feuerwehr Plattling um 18.10 Uhr über Meldeempfänger zu einer Rauchentwicklung in die Werkstraße gerufen. Bereits bei der Anfahrt konnte man eine sehr starke Rauchentwicklung über dem Brandobjekt feststellen. Daraufhin wurde nach Alarmstufe 3 (Basis) die Feuerwehren aus Pankofen, Pielweichs und Otzing nachalarmiert. Die Werkstraße konnte wegen starker Rauchentwicklung nicht mehr passiert werden. Beim Eintreffen an der Einsatzstelle schlugen bereits Flammen durch das Dach. Um 20.25 Uhr wurde die FFW-Deggendorf zur Schadstoffmessung angefordert. Diese rückte zusätzlich mit der Drehleiter DLK23/12 und dem TLF24/50 zur Schadenstelle aus. Zusätzlich wurden zur Löschwasserversorgung die Feuerwehren aus Osterhofen, Moos, Stephansposching, Wallersdorf, Rottersdorf, Loh-Wischlburg, Thundorf und Lailling alarmiert. Drehleitern forderte man aus Osterhofen und Hengersberg an.
Enorme Hitzeentwicklung gefährdete die Wohnhäuser
Beim Eintreffen der Feuerwehren war die Hitzestrahlung auf der Nordseite des Brandobjektes so hoch dass Fenster splitterten und Außenrollos schmolzen. Sofort wurde hier eine Feuerwiderstandslinie aufgebaut die mit einem Wasservorhang die angrenzenden Gebäude abschirmten und abkühlten.
Neben der großen Hitzeentwicklung bildete sich eine riesige Rauchwolke, die über das Wohngebiet in Nördliche Richtung abzog. Laufende Messungen des GW-Mess aus Deggendorf ergaben keine umweltgefährdenden Schadstoffmeßergebnisse. Kurzzeitig angedachte Evakuierungsmaßnahmen mussten nicht eingeleitet werden.
Bahnlinie Passau – Nürnberg wurde gesperrt.
Um auch von der Südseite aus Löscharbeiten einleiten zu können wurde durch die Einsatzleitung beschlossen 3 B-Leitung zum Hydrantennetz und einer Löschwasserzysterne südlich der Bahnanlage aufzubauen.
Hierzu sperrte man den kompletten Zugverkehr auf der Bahnlinie Passau – Nürnberg für ca. 3 Stunden.
Hydrantennetz bestand die Belastungsprobe
Im unmittelbaren Umfeld um das Brandobjekt befanden sich 4 Unterflurhydranten. Die nächste Wasserversorgungsschiene bildete die Straubinger Straße. Somit standen innerhalb kurzer Zeit 6400 Liter Löschwasser pro Minuten (rechnerisch) zur Verfügung. Von der Südseite des Brandobjekts wurden ca. 3000 Liter pro Minute zur Brandstelle gefördert.
Während der Löscharbeiten stieg die Wasserförderleistung der Stadtwerke auf 11.000 l/min. 7700 l/min wurden durch Druckpumpen gefördert, der Rest wurde dem Wasserturm entnommen. Nach Rücksprache mit den Stadtwerken entschloss man sich, die Tanklöschfahrzeuge über das Fernwassernetz in einem Nachbarort aufzugetanken. Nach Auskunft der Stadtwerke lieferte das Hydrantennetz während der Löscharbeiten ca. 6000 m3 Löschwasser. Das Klärwerk Plattling verzeichnete in diesem Zeitraum lediglich eine Erhöhung des Abwassers um ca. 300 m3.
Milchtankzüge zur Wasserversorgung eingesetzt
Einen wesentlichen Teil zur Löschwasserstabilisierung bildete der Einsatz von 3 Milchtankzügen mit einem Volumen von 1 mal 28.000 Litern und 2 mal 12.000 Litern. Diese wurden im Pendelverkehr eingesetzt und lieferten das Wasser für 2 B-Leitungen. Geeignete Übergangstücke waren bei FFW-Plattling vorhanden. Zusätzlich transportierten 3 Traktoren mit Güllefässern Löschwasser zur Einsatstelle. Wassertransport über Milchtankzüge: ca. 400.000 Liter.
6 TLF 24/50 übernahmen die Löscharbeiten
Nachdem die Löscharbeiten bis 21.30 Uhr nicht den gewünschten Erfolg zeigten und kein zusätzliches Löschwasser mehr zur Verfügung stand wurden Tanklöschfahrzeuge TLF 24/50 aus Landau/Isar, Straubing, Regen und Zwiesel angefordert. Durch gezielten Einsatz der Wasserwerfer konnte der Brand bis 01.00 Uhr unter Kontrolle gebracht werden.
Kettenbagger begannen sofort mit den Abbrucharbeiten
Bereits währen des Brandes wurden Vorbereitungen für die Nachlöscharbeiten getroffen. Bedingt durch die Totalzerstörung des Gebäudes gaben die Brandermittler die Einsatzstelle frühzeitig für notwendige Abrissarbeiten frei. Somit konnten 2 große Kettenbagger bereits um ca. 01.00 Uhr die Giebelwände und vordere Hallenseite abreisen. Dies erleichterten die Löscharbeiten erheblich. Zugleich konnten große Gefahrenstellen für die Einsatzkräfte beseitigt werden.
Gewitterfront unterbrach die Löscharbeiten
Um ca. 03.00 Uhr zog eine große Gewitterfront über Plattling hinweg. Aufgrund der großen Blitzschlaggefahr durch die Bahnanlage wurden die Löscharbeiten für ca. 30 Minuten eingestellt. Der kurze Starkregen zeigte keinen Löscherfolg. Glücklicherweise blieben die vorausgesagten starken Windböen aus.
Nachlöscharbeiten gestalteten sich schwierig
Die Nachlöscharbeiten dauerten bis Dienstagnachmittag. Dabei wurden auflodernde Glutnester mit den Kettenbaggern frei gelegt und abgelöscht. Um ca. 17.00 Uhr konnten alle Feuerwehren die feuer- und rauchfreie Einsatzstelle verlassen.
In den darauf folgenden Tagen musste die FFW-Plattling regelmäßig zur Ablöschung von versteckten Glutnestern gerufen werden. Nach einer Woche Nachlöscharbeiten ging der Brandschutz auf den Brandleider über. Die FFW-Plattling stellte das nötige Löschmaterial zur Verfügung.
Der Abtransport des Brandgutes zog sich bis Oktober hin. Dabei entdeckte man bis Ende September immer wieder Glutnester die beim Freilegen sofort in Brand gerieten und durch die Entsorgungsfirma abgelöscht wurden.
THW und Rettungsdienst unterstützten die Feuerwehren
Frühzeitig forderte die Feuerwehreinsatzleitung die Führungskräfte des THW zur Lagefeststellung an. Somit stand der technische Hilfsdienst mit der kompletten Ausrüstung zum Einsatz bereit. Ein Stromerzeugeranhänger versorgte die Einsatzstelle mit elektrischer Energie, 2 Lichtmastanhänger leuchteten die Einsatzstelle aus. Das schwere Räumgerät musste nicht eingesetzt werden.
Bedingt durch die hohe Temperatur und Schwüle am Brandtag erlitten 8 Feuerwehrmänner Schwächeanfälle. Nach kurzer Untersuchung durch den Rettungsdienst und nach Aufnahme von Flüssigkeiten konnten alle die Löscharbeiter weiter fortsetzen.
Zur Versorgung der Einsatzkräfte mit Getränken und Essen baute der Betreuungsleitzug des BRK in einem nahe gelegenen Vereinsheim eine Küchenstation auf. Darin wurden die ca. 400 Einsatzkräfte bis Dienstagmittag verpflegt.
Weitere Informationen
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Bilder Lokschuppenbrand |
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Zahlen & Fakten |
Das Brandobjekt |
Versorgung mit Löschwasser |
Wasserversorgung mit Milchtankzügen |
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Fernsehbericht Donau TV: Helden der Feuerwehr |
